Endlich ist auch die sonst so reine Schweiz zur dunklen Seite übergewechselt. Fiel die Schweiz in der letzten Jahren vor allem durch um die deutschen Steuereinnahmen besorgte Bankangestellte auf, die für kleine Millionenbeträge Milliarden auf geheimen Schwarzgeldkonten an den deutschen Fiskus verkauften, so konnten jetzt dort auch mehrere Casinobetrügereien nachgewiesen werden. Dabei waren die Schweizer Casinos sowohl Täter als auch Opfer.

Durch eine gewisse Sonderstellung zeichnen sich aber auch die betrügerischen Schweizer Croupiers aus. Konzentrieren sich die meisten bekanntgewordenen Manipulationen auf Roulettetisch, so wurden in der Schweiz die Spielkarten manipuliert.  Betrügereien in diesem Ausmaß kennt man ansonsten ansonsten eigentlich nur aus Filmen.

Wie die Zeitung „Corriere del Ticino“ berichtete war es in den beiden Casinos Lugano und Locarno gelungen ein Spielsystem mit manipulierten Karten zu entwickeln. „Um einen Komplott mit getürkten Karten an den Spieltischen der Casinos zu realisieren, muss es auf den verschiedenen Ebenen Komplizen und Mitwisser geben, (von Croupier über die Kontrolleure bis hin zu den Sicherheitsleuten) denn sonst hätte dieses komplizierte System nicht gestartet und umgesetzt werden können.“  Das Casino Lugano und das Casino Locarno haben mehrere Mitarbeiter vorsorglich suspendiert. Zudem hat die Tessiner Staatsanwaltschaft Ermittlungen eingeleitet, und zwar „aufgrund schwerwiegender Vorfälle zum Schaden des Unternehmens“, wie die Spielbank Lugano in einem Communiqué schreibt. Das Casino Lugano reagierte damit auf den Bericht der Zeitung „Corriere del Ticino“ allerdings wies das Casino zeitgleich jede Vorwürfe zurück, dass sie mit den Manipulationen selbst zu tun gehabt haben.

Die Casino Direktion zeigte sich über die Veröffentlichungen der Zeitung irritiert, zumal sie selbst von der Staatsanwaltschaft zu größten Verschwiegenheit verpflichtet worden war, um die Ermittlungen nicht zu gefährden. Desweiteren betonte die Casino Leitung, das ihr bekannt sei, dass „anonyme Briefe mit diffamatorischem und beleidigendem Inhalt“ an die Tessiner Staatsanwaltschaft, die Eidgenössische Spielbankkommission (ESBK), an die Stadtregierung von Lugano sowie an die Medien versandt worden waren. Casino Direktor Hubertus Thonhauser vermutete, dass für die anonymen Schreiben ehemalige Mitarbeiter die Verantwortung tragen, denen im Zuge einer Restrukturierung gekündigt wurde. Der Betrugsfall selbst war Dank interner Sicherheitsmechanismen aufgedeckt worden. Thonhauser bestätigte jedoch, dass eine Handvoll Personen in diese Manipulationen involviert waren. Die Deliktsumme selbst dürfte er aus ermittlungstechnischen Gründen nicht verraten, geschätzt wird sie jedoch auf mindestens CHF250.000.

Wie genau die Spiele manipuliert wurden, ist im Moment noch unklar, doch es waren immer die gleichen Personen – Croupiers, Tischchefs und Gäste – beteiligt. Anscheinend besuchten die Komplizen als vermeintliche Kunden die Spielbank und wenn ein Tisch nicht sonderlich gut besucht war, schlugen sie zu. Am Ende betrug der Gewinn teilweise bis zu CHF50.000 am Abend.

Besonders schmerzhaft ist die Sache für das Casino Locarno, das immer noch unter einem Skandal leidet.
Die Firma Fun Time hatte Büroräume im Casino gemietet und betrieb auch einen eigenen Stand vor Ort. Das Unternehmen war auf gut situierte Kunden spezialisiert und organisierte Reisen nach Las Vegas und Saint-Martin (Karibik), vermittelte aber auch Kunden in das Casino Locarno. Besonders brisant war die Enthüllung, dass die Präsidentin von Fun Time, Franca Carcano, die Ehefrau des wegen Wucherei vorbestraften Ilario Legnaro ist. Er wurde in Italien zu über sieben Jahren Gefängnis verurteilt und auch sie musste für über zwei Jahre in Haft. Die mailändische Schutzorganisation deckte auf, dass sieben Angestellte des Casinos sich mit Geldverleih ein Zubrot verdienten. Sie verlangten Wucherzinsen (10 % pro Tag) und wickelten ihre illegalen Geschäfte mit Kunden in Geldnot ab. Dazu seien sie mit den Kunden in den nicht mit Kameras überwachten Toilettenbereich gegangen. Zwei der Geldwechsler waren schon in Italien wegen Wucherei vorbestraft und hatten Kontakte zur Unterwelt.
Die Casinoleitung wies alle Vorwürfe von sich und bestritt, von den Machenschaften gewusst zu haben. Doch Frediano Manzi, Präsident von SOS Racket e Usura, leitete neben der Anklageerhebung gegen die Geldwechsler und die Firma Fun Time auch ein Dossier an die Staatsanwaltschaft weiter. Dies sollte belegen, dass rund ein Dutzend Kaderleute der Spielbank Bescheid wussten und dies auch geduldet haben. Noch während der Ermittlungen rollten Köpfe. Der Vertrag mit Fun Time wurde gekündigt, die Angestellten entlassen und im Managementbereich gab es „Umstrukturierungen“. Casino Blog

 

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